Ein Musterknabe namens Mahmoud Abbas

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Im Gegensatz zu Beton sind Worte biegsam.

Der Beton der israelischen Siedlungen in der arabischen Westbank ist so starr wie Beton nur sein kann. Die Worte, die der israelische Premier darüber macht, sind äußerst flexibel.

Israels Ministerpräsident Benjamin “Bibi” Netanjahu ist bekanntlich ein Meister der Wort-Biegerei.

Nach der jüngsten israelisch-palästinensischen Verhandlungsrunde in Jordanien, die selbstverständlich ohne Ergebnis endete urteilte Netanjahu, Palästinenserpräsident Abbas habe dem Frieden den Rücken zugekehrt.

Warum? Weil der nicht ablasse von der unsinnigen Forderung, Israel müsse den Siedlungsbau stoppen.

Wo doch alle Welt weiß, dass der Frieden nicht abhängt vom Siedlungsbau, und schon gar nicht von der damit verbundenen Landfrage. Wenigstens aus Sicht Netanjahus.

Die Musterknaben Netanjahu und Abbas

Abbas’ Haltung folge einem Muster, so “Bibi”:

Sobald es zu ernsthaften Verhandlungen kommt, würde Abbas ausweichen. Denn: Der Mann will gar keinen Frieden.

Natürlich weiß Netanjahu selbst am besten was für einen Unfug er erzählt.

Als leidenschaftlicher Anhänger des sogenannten revisionistischen Zionismus geht es ihm vorrangig um eins: Land für Israel. Vorzugsweise so viel Land wie möglich.

Wie schon David Ben-Gurion, der Gründervater und politische Abgott Israels in vielfacher Variation zu Protokoll gab*:

Zu einem guten Anteil war die Gründung des Staates Israel ein Akt der Selbstverteidigung.
Aber nun geht es um etwas anderes, nicht um Selbstverteidung.

Was die Festlegung von Grenzen anbelangt – das ist eine offene Sache.

In der Bibel ebenso wie in unserer Geschichte existieren alle Arten von Definitionen in Bezug auf die Grenzen unseres Landes, also gibt es keine wirkliche Beschränkung.

Keine Grenze ist absolut.

Diese Haltung zieht sich wie ein roter Faden durch alle Regierungen Israels**. Bis zum heutigen Tag.

Eine derartige Gleichförmigkeit im Denken und Handeln nennt man: Muster.

– Schlesinger

* Ben Gurion, 13. Januar 1949, cit. / übers. aus Tom Segev, The First Israelis, S. 6

**  mit Ausnahme der zweiten Amtszeit von Yitzhak Rabin, der das mit dem Tod büßen musste (Nov. 1995)

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Israel - Zitat des Tages

 Wenn ich vor Euch stehe, Richter Israels, in diesem Gericht, um die Anklage gegen Adolf Eichmann vorzubringen, stehe ich nicht allein. Neben mir stehen in dieser Stunde sechs Millionen Ankläger. Doch sie können nicht ihre Finger in Richtung der Glaszelle erheben gegen den mann, der dort sitzt und sagen: Wir klagen an. Denn ihre Asche liegt verstreut auf den Abfallhaufen von Auschwitz, auf den Feldern Treblinkas, ausgeschüttet in Polens Flüssen. Ihr Blut schreit zum Himmel, aber ihre Stimme ist verstummt. Darum werde ich ihr Mund sein und in ihrem Namen die furchtbare Anklage erheben.

Gideon Hausner
(Generalstaatsanwalt Israels von 1960-1963. Zur Eröffnung des Prozesses gegen Adolf Eichmann, dem NS-Organisator der Transporte von Juden in die Konzentrationslager)

Presseschau Naher Osten (englisch)

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