Williamson, Chameini und das Existenzrecht Israels

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Der antisemitische katholische Fundamentalist, Bischof und führende Kopf der Pius-Bruderschaft Richard Williamson macht erneut von sich reden.

Unlängst sorgte er für  Schlagzeilen als Leugner des Holocaust (zwei- bis dreihunderttausend Juden seien in den Konzentrationslagern umgekommen, aber keiner davon in den Gaskammern, schämte er sich nicht zu behaupten).

Nun legt er nach – gewissermaßen zeitlich passend zum internationalen Holocaust-Gedenktag – und stellt das Existenzrecht Israels in Frage. Ironischerweise gibt sich der Katholik damit radikaler als die Hamas. Einer ihrer führenden Köpfe hat angedeutet, seine Palästinenserorganisation würde unter bestimmten Bedingungen das Existenzrecht Israels anerkennen.

Beinahe scheint es, als hätte sich Williamson mit Teheran als dem notorischen Erzfeind Israels koordiniert. Denn gerade hat der geistliche Führer des Landes Ajatollah Ali Chameini davon gesprochen, dass Israel der “Zerstörung geweiht” sei.

Nun ist es eins, die Araber- oder Palästinenserpolitik Israels zu kritisieren – wofür es zahllose Argumente gibt- und ein anderes, die Existenz Israels schlechterdings in Frage zu stellen.

Nicht selten trifft man in israelkritischen Kreisen auf haarsträubende Gleichgültigkeit oder gar insgeheime Zustimmung, wenn aus der einen oder anderen radikalen Ecke (Vernichtungs-) Drohungen gegenüber Israel kommen, oder wenn im scheinbar stets legitimen “Diskurs” erörtert wird, wie es um das Existenzrecht Israels bestellt ist angesichts der Ungerechtigkeiten, die die Gründung und die Politik Israels bis heute mit sich brachte und mit sich bringt.

Falsch.

Die israelische Politik gegenüber den Palästinensern ist in hohem Maße kritikwürdig. Das Recht der Israelis (oder Juden) auf einen eigenen Staat in einem Terrain, das sie grundsätzlich ebenso lange besiedeln wie andere Völker, steht außer Frage. Die Vertreibung der Juden durch die Römer ab 70 n.C. war schliesslich erzwungen.

Zahllose Bücher wurden darüber verfasst, wem das Land “gehört”. Letztlich ist diese Debatte fruchtlos. Denn jede erste Besiedlung eines Stücks Land ist letztlich “zufällig”. Die schon immer von Gott / Allah Gelenkten mögen das anders sehen, mag sein. Im übrigen werden sich die die, die schon “da” sind (oder in Mehrzahl da sind), immer sträuben gegen andere, die hinzukommen wollen.

In der Zeit, in der Israels Gründung anstand, war Palästina britischer Herrschaftsbereich. Zuvor war das Gebiet unter türkischer Herrschaft. Es gab kein “palästinensisches Palästina”, allenfalls der Einwohnermehrheit nach.

Insofern fiel die (von der UN völkerrechtlich sanktionierte) Gründung Israels in eine Art hoheitliche Grauzone. Aber darum geht es letztlich gar nicht. Es geht darum, dass Menschen, dass Nationalitäten ein Recht auf Selbstbestimmung haben. Kurzum: Recht auf ein eigenes Stück Land.

Was den Palästinensern nicht vorenthalten werden darf, darf den Israelis / Juden ebenso nicht. Punkt. Diese rote Linie darf nicht überschritten werden. Wer es dennoch tut, soll so offen sein, sich als inhuman oder – wenn  man so will – faschistisch zu erkennen geben.

Einen unverändert gültigen Beitrag zum Thema “ist Einwanderung mit dem Ziel der Nationenbildung in bereits bewohntes Gebiet legitim?” stammt aus der Feder einer der prominentesten Köpfe der zionistischen Bewegung, Vladimir Jabotinsky, verfasst im Jahr 1936:

[...] Unbevölkerte Inseln gibt es auf dem Erdball nicht mehr.

In welche Oase man einschlüpfen möchte, überall sitzt seit altersher ein Bodenständiger, er hat dort seinen Wohnsitz seit undenklichen Zeiten und er begehrt weder eine künftige Majorität, noch selbst nur einen größeren Zufluß an Ankömmlingen.

Mit einem Worte wenn es in der in der Welt ein Volk ohne Boden gibt, dann ist das bloße Träumen von einer nationalen Heimstätte unethisches Beginnen. Die Obdachlosen sollen für immer heimlos bleiben – aller Boden ist bereits verteilt und Schluß. So fordert’s die Ethik.

In unserem Falle hat diese Ethik ein besonders merkwürdiges »Aussehen«. Es gibt von uns, wie verlautet, 16 Millionen in der Welt: die Hälfte davon führt buchstäblich das Leben eines verjagten Hundes.

Araber gibt es 38 Millionen, sie umfassen Marokko, Algier, Tunis, Tripolis, Ägypten, Syrien, Arabien und Mesopotamien, eine Fläche (die Wüsten nicht mitgerechnet) von der Größe des halben Europa.

Auf diesem Riesenterritorium befinden sich je 16 Araber auf einer englischen Quadratmeile; es ist von Wert, zum Vergleich in Erinnerung zu bringen, daß in Sizilien 352 Menschen und in England 669 auf eine Quadratmeile entfallen.

Von noch größerem Vorteil ist es, sich zu erinnern, daß Palästina annähernd den zweihundertsten Teil dieses Territoriums darstellt.

Aber wenn das obdachlose Judentum für sich Palästina beansprucht, erweist sich das als »unmoralisch«, weil die Einheimischen dies für sich als unbequem betrachten. [...]

Der Boden gehört nicht denen, die davon zuviel besitzen, sondern denen, die keinen haben.*

Figuren wie Williamson oder Chameini geht es nicht um “Israelkritik”. Es sind Volksverhetzter und Völkermörder im Geiste. Kritiker Israels sollten gut aufpassen, wie sehr sie sich im Rahmen ihrer Argumentationen in die Nähe solcher Gesellen begeben.

– Schlesinger

(Photo: Jabotinsky, Wikipedia CC Lizenz)
* zitiert aus: Zionismus, Hg. Julius Schoeps, München 1973
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Veröffentlicht unter Katholische Kirche

Israel - Zitat des Tages

 At times it seems as if what Jews do to other jews in this country [Israel] would be defined in any other country as nothing less than antisemtisim.

David Grossman
(Israelischer Autor. Man vergleiche das mit einer nicht untypischen Äußerung eines ultra-orthodoxen jüdischen Siedlers: "The Israeli secular entity has to be destroyed. God can't reveal himself until it's all wiped out. As long as the state of Israel stays as it is, there will be no redemption." Shmuel Ben Yishai, Settler, Hebron (Interview CBS Frontline April 2005). Was der Siedler hier verlangt ist nichts weniger als die Beseitigung des Staates Israel.)

Presseschau Naher Osten (englisch)

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