Olmert nachgiebig, wo Israel stark sein müsste

Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedinmail

UPDATE 16.07.2008:

Die Jerusalem Post vertritt im Kern dieselben Positionen wie wir:

By exchanging prisoners with the proxy organizations as if they were law-abiding states, Israel can be seen as upgrading the status of the organizations‘ unlawful combatants from terrorists and war criminals, giving them the same rights as lawful soldiers, without demanding from them the reciprocal obligations.

At the same time, Israel downgrades the rights of its own captured soldiers by overlooking the organizations‘ systematic depravation of POW rights for Israeli soldiers under the Geneva Conventions.

The damage this does to both international law and the international criminal justice system is considerable.

———–

Originalblog:

Gegenüber der Bevölkerung in Gaza und im Westjordanland zeigt Israel alle Härte.

Gegenüber der Hamas – immerhin die in offenen Wahlen legitimierte Mehrheitspartei im Gazastreifen – gibt sich Jerusalem unbeugsam. Der jüngste, wenngleich wacklige Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas kam nur durch ägyptische Verhandlungen zustande.

Dem wahrscheinlich gefährlichsten und unversöhnlichsten Feind Israels hingegen, der Hizbollah, schenken Olmert und die Knesset einen moralischen Sieg.

Vergangenen Sonntag beschloss das Kabinett einen Gefangenenaustausch.

Die Hizbollah erhält eine Gruppe libanesischer und palästinensischer Terroristen zurück – in diesem Fall dürfte die Bezeichnung Terroristen stimmen – und erhält im Gegenzug die Leichname der bereits in 2006 getöteten Reservisten Eldad Regev und Ehud Goldwasser. Die beiden Soldaten waren am 12. Juli 2006 von einem Überfallkommando der Hizbollah gekidnappt worden.

Wenige Tage später begann Israel mit dem Einmarsch in den Südlibanon, woraufhin sich die Armee 33 Tage lang einen erbitterten Kampf mit den Freischärlern von Hassan Nasrallah lieferte und letztlich eine bedrückende Niederlage erlitt.

Nach der durch die UN vermittelte Beendigung des Waffengangs prahlte Hizbollahchef Hassan Nasrallah damit, dass die israelische Armee nicht einmal in der Lage gewesen sei, die zwei Reservisten zurück zu holen:

The (Israeli) enemy has even failed to return the two prisoners

In derselben Rede, die in dem während des Kriegs heftig umkämpften und schwer zerstörten Stadt Bint Jbeil gehalten wurde, wiederholte Nasrallah frühere Drohungen, er werde mit Israel niemals einen Frieden schliessen.

Zum psychologischen Sieg der Hizbollah ist auch der Umstand zu rechnen, dass in dem einen Monat der Kampfhandlungen etwa 1000 Libanesen ums Leben kamen. Die meisten davon waren Zivilisten. Bilder von zerschossenen und ausgebrannten LKW mit arabischen Erntehelfern gingen um die Welt. Die Schuld dafür wurde nicht der Hizbollah gegeben, sondern der israelischen Armee.

Zurecht: Der ansonsten hochgelobte Geheimdienst war offenkundig nicht fähig, die Verteidigungsstärke der im wahrsten Sinne des Wortes verschanzten und eingegrabenen Hizbollah richtig einzuschätzen. Vor diesem Hintergrund mussten die zivilen Verluste unverhältnismäßig ansteigen.

Wieso nun dieser Gefangenenaustausch, der ja kein wirklicher Austausch ist? Bei den freizulassenden Gefangenen handelt es sich um ausgesuchte Schwerkaliber, die gewiß keine friedliche Gesinnung gegenüber Israel eingenommen haben.

Unter ihnen: Samir Kuntar, ein libanesischer Freischärler, der 1979 eine israelische Familie mit zwei Kleinkindern hinterrücks ermordete. Eins der Kinder war 4 Jahre alt. Er hatte es mit dem Kopf auf einen Felsen geschmettert. Den Vater hatte er in den Rücken geschossen und anschliessend im naheliegenden See ertränkt.

Solche Schwerstkriminelle lässt Premierminister Olmert im Zuge von „Verhandlungen“ frei?

Schon vor drei Jahren ließ Israel 450 Gefangene im Tausch für 3 Soldatenleichen und einen gefangengehaltenen Oberst frei. Im Jahr nach dem ergebnislosen Libanonkrieg von 1982 wurden sogar 4700 Gefangene gegen 6 festgehaltene israelische Soldaten ausgetauscht.

Für was führt Israel diese für alle Seiten opferreichen Waffengänge, wenn anschliessend großzügige Liebesgaben an den Erzfeind verteilt werden?

Der große Unterschied zwischen der Hamas und der Hizbollah sollte aus israelischer Sicht darin bestehen, dass die Hamas immerhin für das eigene Volk auf eigenem Boden spricht.
Die Hizbollah als Partei der schiitischen Mehrheit im Libanon hätte normalerweise die Aufgabe, sich konstruktiv am Aufbau des libanesischen Staatswesens zu beteiligen. Statt dessen nutzt sie den Libanon nur als Basis für ihren ideologischen Feldzug gegen Israel.

Seit der unlängst erfolgten „erfolgreichen“ Machtprobe Hassan Nasrallahs mit der Regierung Fouad Siniora steht fest, dass die Hizbollah die entscheidende Macht im Libanon darstellt, wenngleich sie sich aus taktischen Gründen zurückhält.

Damit hat sich die Gefahr für Israel verschärft: Die Hizbollah ist keine primär von einem fremden Staat (Syrien, Iran) gesteuerte Terrortruppe mehr, sondern vielmehr eine staatlich-libanesische Terrortruppe. Dennoch nährt sie sich nur parasität am Staat Libanon. Der Untergang des Libanon wäre ihr egal oder sogar willkommen, da er nur weiteren Antrieb geben würde für ihren en irrwitzigen Weltanschauungskrieg gegen Israel.

Die Hamas hingegen hat ein Interesse am Erhalt und dem Gedeihen ihres kleinen Landes Gaza (und künftig vielleicht dem Westjordanland), da sie von dort kommt und dort bleiben will.

Ein enormer Unterschied.

Und dennoch möchte man meinen, Israel sieht Hamas und Hizbollah als gleichwertige Feinde an.

Wahrscheinlich ist Ehud Olmert, der ehemalige Oberbürgermeister von Jerusalem, mit diesen strategischen Herausforderungen ebenso überfordert, wie es sein Freund im Weissen Haus ist.

Israel tritt seit geraumer Zeit als militärischer Koloss auf tönernen Füßen auf.

Israel braucht seine militärische Stärke, um sich behaupten zu können, aber es nutzt sie seit geraumer Zeit wider eigenes Interesse. Ähnlich den USA unter George W. Bush.

Und beide wundern sich, warum die Welt zunehmend abrückt.

Das ist eine Tragödie – gerade auch für uns.

— Schlesinger

(Photo: templar1307)
(Photo: delayed gratification)
Getagged mit: , , , , , , , , , , , , , , , , ,
Veröffentlicht in Ägypten, Gaza, George W. Bush, Hamas, Hizbollah, Iran, Israel, Naher und Mittlerer Osten, Palästinenser, Syrien, Vereinte Nationen, Westbank

Israel - Zitat des Tages

 At times it seems as if what Jews do to other jews in this country [Israel] would be defined in any other country as nothing less than antisemtisim.

David Grossman
(Israelischer Autor. Man vergleiche das mit einer nicht untypischen Äußerung eines ultra-orthodoxen jüdischen Siedlers: "The Israeli secular entity has to be destroyed. God can't reveal himself until it's all wiped out. As long as the state of Israel stays as it is, there will be no redemption." Shmuel Ben Yishai, Settler, Hebron (Interview CBS Frontline April 2005). Was der Siedler hier verlangt ist nichts weniger als die Beseitigung des Staates Israel.)

Presseschau Naher Osten (englisch)

Andere Nahost-Blogs

Was andere Blogs schreiben

Archiv