Der Olivenbaumkrieg der jüdischen Siedler

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Olivenbaum in der jüdischen Tradition

Rabbi Jeremy Rosen erklärt die besondere Bedeutung von Olivenbäumen für die jüdische Tradition:

The olive tree in particular is associated with peace ever since Noah sent the dove out of the ark and she came back with an olive branch.

“Seitdem Noah die Taube aus der Arche sandte und sie mit einem Olivenzweig zurück kam, verbindet man den Olivenbaum mit Frieden.”

It is one of the seven ‘elevated’ fruits and trees that are associated with the Land of Israel and require special blessings.

“Der Olivenbaum ist einer der sieben gepriesenen Früchte, die mit dem Land Jisrael verbunden und besonders gesegnet sind.”

But nowadays olive trees are bearing the brunt of hatred in the hills of Judea.

“Aber heute wird dem Olivenbaum die Bürde des Hasses in den Hügeln von Judäa auferlegt.”

There are Torah laws against cutting down trees needlessly and very specifically those that produce fruit. In the Torah mankind is compared to the tree of the field.

“In der Heiligen Schrift (Torah) gibt es Vorschriften, die das grundlose Fällen von Bäumen verbieten. Das gilt insbesondere für Bäume, die Früchte tragen. In der Torah wird die Menschheit mit einem Olivenhain verglichen.”

It grows slowly, produces, provides and nourishes and yet can be cut off in an instant.

“Er wächst langsam, versorgt und ernährt und kann dennoch in einem Augenblick zerstört werden.”

Trotz dieser beinahe sakralen Bedeutung des Olivenbaum trifft zu, was Rabbi Rosen schon in 2006 feststellte: Der Olivenbaum wurde zu einem Hauptkriegsschauplatz der jüdischen Siedler in der Westbank.

Indem Siedler in arabischem Besitz befindliche Olivenbäume oder ganze Haine abbrennen oder abholzen, versuchen sie die Palästinenser einzuschüchtern und ihnen gleichzeitig eine elementare Lebensgrundlage zu nehmen.

Eine kurze, sehr unvollständige Chronologie (Ereignisse sind nicht exakt getrennt, Überblickszahlen können einzelne Vorgänge beinhalten; die Aufzählung dient nicht wissenmschaftlichen Zwecken, sondern um ein Gefühl für das Ausmaß der Vorgänge zu entwickeln):

  • 13.Januar 2014
    Israelische Soldaten hindern palästinensische Bauern, auf ihrem Land bei dem Dorf Al Khader neue Olivenbäume zu pflanzen. Al Khader liegt zwischen den israelischen Siedlungen Efrat und El’azar.
  • 7.Januar 2014
    18 jüdische Siedler wollten in der Nähe von Nablus Olivenbäume zerstören, als sie von Palästinensern attackiert wurden. Die Palästinenser übergaben die Siedler, die behaupteten auf einer Fahrradtour zu sein, der israelischen Grenzpolizei. Die vermeintlich auf Fahrradtour befindlichen Siedler trugen die bei solchen Siedleraktionen längst üblichen weißen Kopfvermummungen, um nicht erkannt zu werden. Diese weiße Camouflage erinnert fatal an den Ku-Klux-Klan.
  • Oktober 2013
    Die Menschrechtsorganisation Rabbis for Human Rights spricht von 1.650 Olivenbäumen, die alleine in den vergangenen Monaten vernichtet wurden.

    Muhammad Gheith aus Beit Iksa berichtete, dass sein Dorf von Siedlern aus der illegalen Kolonie Ramot überfallen wurde, die 2 PKW in Brand setzten und die üblichen rassistischen Slogans an Haus- und Moscheewände schmierten.

  • 05.03.2013
    In der Nähe der jüdischen Siedlung Nahhalin werden 80 Olivenbäume des arabischen Bauern Rabah Fenoon gefällt.
  • 2012
    Einem UN-Bericht zufolge wurden zwischen Januar und Oktober 7.500 Olivenbäume zerstört. Hier ein ergänzender Bericht des Guardian.
  • 06.09.2012
    Während des muslimischen Freitagsgebets setzen Siedler der Siedlung Immanuel 130 Olivenbäume in Brand.
  • 22.06.2008
    “During the last week at least three houses were attacked.
    Large parts of Salman Mountain, where the villager have their farming land and grow things such as wheat [Weizen] and lentils [Linsen], was also set on fire by the soldiers.
  • 19.06.2008
    A group of settlers from the settlement of Yitsahar located near Bureen village south of Nablus city in the northern part of the West Bank set fire to Palestinian owned olive trees on Thursday.
  • 22.06.2007
    “[jewish] residents of the West Bank settlement outpost of Adei Ad
    uprooted 300 olive trees belonging to Palestinian farmers”Am 27. 06. wurden die Bäume auf Anweisung der israelischen Zivilverwaltung zurückgegeben. Trotz des Straftatbestands “Diebstahl”kam es zu keinerlei Strafverfolgung.
  • 26.08.2006
    “On Saturday August 26th [...] a group of settler boys setting fire to the dry grass in front of their [arab] home. This land contains many olive trees and settlers have attempted to burn down these trees on many occasions by starting grass fires.
    Soldaten stellten der Familie 135 Dollar (700 Schekel) für Löschschaum in Rechnung. Als sich die Familie wegen der Brandstiftung weigerte zu zahlen, drohten sie mit Beschlagnahme des Fernsehers.
  • 28.12.2005
    Yediot Aharonot
    reports that
    1,000 olive trees belonging to West Bank Palestinian farmers were destroyed by settlers in preceding weeks.
    Generalstaatsanwalt Menachem Mazuz
    legte – offenbar auf denselben Zeitraum bezogen – indessen eine weitaus höhere Zahl vor:
    “At a government meeting at the beginning of January 2006, Attorney General Menachem Mazuz reported that within a short time span,
    2,400 Palestinian-owned olive trees in the territories had been vandalized.
    Die für die Gebiete Judäa und Samaria (der israelische Sprachgebrauch für das Westjordanland) zuständige Polizei berichtete von 672 Vorfällen, in denen arabischer Besitz von Israelis (d.h. Siedlern) beschädigt oder zerstört worden sei:
    Judea and Samaria District police
    told Haaretz that 672 investigation files were opened in 2005 for “disruption of order by Israelis against Palestinian property.”
  • 21.10.2005
    “Jewish settlers had come in the night and destroyed 30 olive trees he planted a decade ago”
  • 27.10.2000
    “Seit kurzem schießen jüdische Siedler auch auf palästinensische Bauern bei der Ernte.
    Und im Norden haben israelische Bulldozer jetzt sogar begonnen, Olivenbäume zu roden – die Existenzgrundlage tausender Palästinenser. ” (Süddeutsche Zeitung, Heiko Flottau)
  • Verurteilungen

    Im Jahr 2006 kam es laut Kabinettsbericht zu 1 Verurteilung wegen Zerstörung von Olivenbäumen;Im Jahr 2005 kam es zu 4 Verurteilungen, wie die Tageszeitung Haaretzberichtete(Siehe zuvor: Bei 672 polizeilich erfassten Vorgängen).

    Die Menschrechtsorganisation Yesh Din berichtet, zwischen 2005 und 2012 habe es in nur 8.5 Prozent der Anklagen eine Verurteilung gegeben. Allerdings werden Anklagen nur in wenigen Fällen zugelassen…

Zerstörung palästinensischer Olivenbäume

“geschützt” durch die israelische Armee:

Dieser regelmäßig wiederkehrende Terror hat zunächst wenig mit der allgemeinen Auseinandersetzung etwa zwischen der Hamas und Israel oder der Hisbollah und Israel zu tun.

Es ist eine Art Privatkrieg der jüdischen Siedler in der Westbank, die durch diese rabiate Methode versuchen, die Araber zu vertreiben. Die Siedler sind damit de facto die Erfüllungsgehilfen Jerusalems.

Zur offiziellen Politik wird der Olivenkrieg in dem Moment, in dem Olivenhaine dem “Apartheitszaun” (arabische Sprechart) oder “Sicherheitszaun” (israelische Sprechart) weichen müssen,  der noch immer im Ausbau ist. Das dürfte in obigem Video der Fall gewesen sein.

verbrannter Olivenbaum

Das Schweigen der Medien

Wann haben Sie das letzte mal in den Nachrichten davon gehört, dass jüdische Siedler palästinensische Olivenhaine niederbrennen?

In den großen Printmedien, in den Fernsehnachrichten liets, sieht man davon: Nie. Vermutlich hat die taz schon darüber berichtet, aber das wäre eine Annahme.

Nach einiger Recherche zu diesem Thema fällt das Ungleichgewicht zwischen dem Gewicht der Vorfälle und unserer Berichterstattung äußerst unangenehm auf.

Immerhin: Wir reden von extistenzbedrohenden, kriminellen, völkerrechtsidrigen Machenschaften gegen die Bewohner der Westbank, und das im großen Stil, denn Oliven und Olivenöl stellen eine wesentliche Grundlage der Landwirtschaft Palästinas dar.

Bedeutung der Olivenbäume für Landwirtschaft Palästinas

Denn auf rund 48% der landwirtschaftlichen Nutzfläche in den besetzten Gebieten sind Olivenbäumen gepflanzt.

Der Ertrag macht etwa 14 Prozent des Erlöses der gesamten landwirtschaftlichen Produktion aus.

Rund 80.000 Familien leben von Olivenbäumen.

Wenn Bauern zu ihren Olivenhainen wollen, die jenseits der Sicherheitsmauer liegen, benötigen sie dafür eine Erlaubnis. In rund 40% der Fälle wird ihnen diese Erlaubnis von den israelischen Behörden nicht erteilt.

Wie sagte schon der frühere israelische Ministerpräsident Levi Eshkol: Hektar um Hektar, Ziege um Ziege.

Und meinte damit: Irgendwann gehört uns das ganze Land.

– Schlesinger

(Photo: michaelramallah)

(Photo: greenwonderland)

(Photo: courtesy ISM)

 

 

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Israel - Zitat des Tages

 Your Majesty will recall that on previous occasions I communicated to you the attitude of the American Government toward Palestine and made clear our desire that no decision be taken with respect to the basic situation in that country without full consultation with both Arabs and Jews. Your Majesty will also doubtless recall that during our recent conversation I assured you that I would take no action, in my capacity as Chief of the Executive Branch of this Government, which might prove hostile to the Arab people.

Franklin Delano Roosevelt
(US Präsident 1933-45. Brief an den saudischen König Ibn Saud, 5.4.1945. Roosevelt distanzierte sich von der vorherigen amerikanischen Position, die Gründung eines jüdischen Staates in Palästina unterstützen zu wollen. Roosevelt starb eine Woche später. Sein Nachfolger Truman verwarf diese Position.)

Presseschau Naher Osten (englisch)

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