Israeli verarbeitet Sabra & Schatila als Animationsfilm

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Waltz with Bashir

ist der bemerkenswerte Animationsfilm des israelischen Filmemachers Ari Folman, der damit seine Kriegserlebnisse aus dem Libanonkrieg von 1982 verarbeitet hat.

London, 04. Juni 1982. Die palästinensische Terrorgruppe um Abu Nidal verübte ein Attentat auf den israelischen Botschafter Shlomo Argov.

Libanon. Die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO, die 1970 nach ihrem mißlungenen Versuch das jordanische Königshaus zu stürzen aus Jordanien gejagt wurde und sich daraufhin im Libanon festsetzte, hatte dort ihre Position in dem seit 1975 laufenden Bürgerkrieg stärken können.

Bis 1982: Vom Südlibanon aus startete die PLO immer wieder Übergriffe auf Israel. Im letzten halben Jahr vor dem Angriff Israels auf den Libanon herrschte allerdings weitgehende Ruhe an Israels Nordgrenze.

Das Attentat auf Argov war für Israel der Anlass am 06. Juni im Libanon einzumarschieren.

23. August 1982. Bashir Gemayel wurde zum Präsidenten des Libanon gewählt. Israel unter Ministerpräsident Menachem Begin betrachtete Gemayel als Verbündeten.

Die israelische Armee stieß rasch auf Beirut vor – zum Ärger von US Präsident Reagan, dem man versicherte man würde nur eine kleinere Strafaktion starten -, und kreiste die PLO unter Jassir Arafat in Westbeirut ein. Nach schwerem Beschuss und Luftangriffen war die PLO nicht mehr verteidigungsfähig.

Unter amerikanischer Vermittlung wurde ein vollständiger Abzug der PLO aus Beirut vereinbart und durchgeführt (1. September).

Zwei Wochen später kam Präsident Gemayel bei einem Bombenattentat ums Leben. Menachem Begin und sein Verteidigungsminister Ariel Scharon beschlossen daraufhin – ohne Rücksprache mit dem Kabinett – die vollständige Besetzung Westbeiruts. Hierzu gehörte auch die Einschließung der beiden Flüchtlingslager Sabra und Schatila.

15. September:  Milizen der christlichen Phalangisten drangen nach Abstimmung mit Scharon und Generalstabschef Rafael Eitan in die beiden Flüchtlingslager ein, um sich für die Ermordung ihres Präsidenten zu rächen.

Die eingeschlossenen Flüchtlinge waren dem Morden, den grausamen Verstümmelungen und Vergewaltigungen der rund 1500 Milizionäre wehrlos ausgeliefert.

Die israelische Armee unterstützte die Phalangisten, indem sie das Lager während der ganzen Nacht mit Leuchtraketen erhellte.

Die Angaben zu den Opfern variieren stark. Geht man vom unparteiischen Roten Kreuz aus, belaufen sich die Toten auf 1000-1500. Vergewaltigungen, Mißhandlungen, Folterungen oder Verstümmelungen wurden offiziell nie erfasst.

Erst Jahre später stellte die israelische Kahane – Untersuchungskommission die indirekte Mittäterschaft des Militärs bis hin zum Verteidigungsminister fest. Dies führte zum Rücktritt von Verteidigungsminister Ariel Scharon.

Bekanntlich verhinderte dies nicht, dass Ariel Scharon Jahre später Ministerpräsident wurde.

Scharon, der Mann, den George W. Bush in einer Rede vor der Knesset einen “Mann des Friedens” nannte: “He is a warrior for the ages, a man of peace, a friend.”

– Schlesinger

Orianna Fallaci: Inschallah

Die inzwischen verstorbene italienische Journalistin und Kriegsbericht-Erstatterin Orianna Fallaci schrieb seinerzeit den schockierenden, überwältigenden Roman “Inschallah”, in dem sie ihre Erlebnisse aus dem libanesichen Bürgerkrieg verarbeitete. Hier ein Textauszug zu den Vorgängen in Sabra und Schatila.

Die Täter in der folgenden Schilderung sind die Christen der Phalangisten-Miliz.

Ein so schnelles und perfektes Manöver, daß nur wenige Zeit gefunden hatten, sich zu verstecken oder die Flucht zu versuchen.

Dann hatten sie, stolz auf ihren Glauben an Jesus Christus und an den Heiligen Maron und an die Jungfrau Maria und unter dem Schutz der Söhne Abrahams, die ihnen den Weg mit Scheinwerfern beleuchteten, die Häuser gestürmt.

Sie begannen, die Unglückseligen, die zu dieser Stunde zu abend aßen oder das Fernsehprogramm sahen oder schliefen, umzubringen. Die ganze Nacht hindurch machten sie weiter. Und den ganzen folgenden Tag. Und die ganze folgende Nacht, bis Freitagmorgen. Sechsund­dreißig Stunden an einem Stück. Ohne müde zu werden, ohne zu verschnaufen, ohne daß einer ihnen gesagt hätte: Schluß. Niemand. Weder die Israelis, selbstverständlich, noch die Schiiten, die in den angrenzenden Häusern wohnten und von ihren Fenstern aus dieses Wüten gern mit ansahen.

Und glücklich die Männer, die auf der Stelle unter dem Maschinengewehrfeuer oder durch Bajonettstiche starben; glücklich die Alten, denen in ihren Betten die Kehle durchgeschnitten wurde, um Munition zu sparen.

Die Frauen hatten sie, bevor sie sie erschossen oder abschlachteten, vergewaltigt. Sodomisiert. Ihre Kör­per: Stampfbottiche für zehn, zwanzig Vergewaltiger auf einmal. Ihre Säuglinge: Zielscheiben für blanke Klingen oder Feuerwaffen — ein unverwüstlicher Sport, bei dem die Menschen, die sich den Tieren überlegen glauben, schon immer brilliert haben und der seit einigen Jahrhunderten als Bethlehemitischer Kindermord bezeichnet wird.

Einem verwundeten Jungen war es gelungen zu fliehen, obwohl die Straßen aus den Vierteln versperrt waren, und sich in das kleine Kran­kenhaus durchzuschlagen, das drei schwedische Ärzte auf der ande­ren Seite von Chatila leiteten. Doch die Soldaten des Herodes er­wischten und erledigten ihn, während er auf dem Operationstisch lag. Der Chirurg, der die Kugel entfernte, wurde beiseite gestoßen, Re­volverschuß in die Schläfe der palästinensischen Operationsschwe­ster, die versuchte, die Soldaten abzuwehren, und fertig. Freitag, bei Morgengrauen, als sie es müde waren, ihnen noch weiter nachzustel­len und jeden einzeln umzubringen, verminten sie die Häuser, in de­ren Kellern sich Überlebende versteckt hatten.

Nahezu sämtliche Häuser von Chatila. Dann zogen sie unter frechen Kriegsliedern aus dem Viertel ab und ließen einen Leichenberg wie aus einem Horror­film zurück. Zwei bis drei Jahre alte Kinder, die, wie gerupfte Hühner an einem Fleischerhaken, an den Deckenbalken gesprengter Häuser baumelten.

Säuglinge, zerquetscht oder gezweiteilt, Mütter, erstarrt im vergeblichen Bemühen, sie zu beschützen. Halbnackte Leichen von Frauen mit gefesselten Handgelenken und Hinterbacken voller Sperma und Kot. Berge von Leichen erschossener Männer, von Rat­ten übersät, die die Nasen, Augen und Ohren auffraßen. Ganze Fami­lien, die über gedeckten Tischen lagen; abgeschlachtete Alte in Bet­ten, die rot waren von geronnenem Blut; und ein unerträglicher Ge­stank. Der Gestank einer durch die schwere Septemberhitze be­schleunigten Verwesung.

Fünfhundert Tote hatte man anfangs be­hauptet. Doch bald schon waren aus den fünfhundert sechshundert geworden, aus den sechshundert waren siebenhundert geworden, aus den siebenhundert achthundert, neunhundert, tausend.

Zwei Bulldo­zer waren nötig, um ein Massengrab zu schaufeln, fast einen Tag dau­erte es, die Leichen dort hineinzuwerfen. Und in ihrer Panik hatte die Regierung die UN-Friedenstruppen wieder zurückgerufen.

«Hilfe, kommt und bringt uns etwas Frieden, Hilfe.»

Zit. aus Fallaci: Inschallah, dtv Taschenbuch, 1994, S. 57/58

Die UN Truppen kamen wieder und wurden dafür furchtbar bestraft.

 

(Grafik: Blog Checkpoint Jerusalem)

(Grafik: 3arabawy)

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Veröffentlicht unter George W. Bush, Israel, Libanon, Palästinenser

Israel - Zitat des Tages

 At times it seems as if what Jews do to other jews in this country [Israel] would be defined in any other country as nothing less than antisemtisim.

David Grossman
(Israelischer Autor. Man vergleiche das mit einer nicht untypischen Äußerung eines ultra-orthodoxen jüdischen Siedlers: "The Israeli secular entity has to be destroyed. God can't reveal himself until it's all wiped out. As long as the state of Israel stays as it is, there will be no redemption." Shmuel Ben Yishai, Settler, Hebron (Interview CBS Frontline April 2005). Was der Siedler hier verlangt ist nichts weniger als die Beseitigung des Staates Israel.)

Presseschau Naher Osten (englisch)

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