Zitat des Tages:

  Die Lösung [des israelisch-palästinensischen Konflikts] ist ganz klar: der Staat Palästina muss innerhalb der vor 1967er-Grenze errichtet werden mit Jerusalem als der Hauptstadt von zwei Staaten: Ost-Jerusalem mit dem Harm Ash-Sharif muss zu Palästina gehören – West-Jerusalem mit der Klagemauer und dem jüdischen Viertel muss zu Israel gehören. Wenn diese Lösung im Prinzip akzeptiert wird, können Verhandlungen über die andern Probleme beginnen: Sicherheit, die auf Gegenseitigkeit beruht, Austausch von Gebieten, eine moralische und praktische Lösung für die Flüchtlinge, Wasserzuteilung usw. Dieser Frieden wird zustande kommen, weil die einzige Alternative für beide Seiten die Hölle bedeutet.

Uri Avneri
(10 Jahre Abgeordneter der Knesset, Friedensaktivist, Autor. Zur fortgesetzten israelischen Weigerung, Ost_jerusalem als Hauptstadt eines autonomen Palästinenserstaates anzuerkennen.)

 

“Korrupter, streitsüchtiger” Netanjahu als Likud-Chef bestätigt

Benjamin Netanyahu at press conference

Benjamin Netanyahu at press conference (Photo credit: Downing Street)

Israel Premierminister und Likud-Chef Benjamin Netanjahu wurde in den Vorwahlen seiner Partei als Parteichef bestätigt: Über 70 Prozent der Likud-Mitglieder wählten für Netanjahu.

Nur gut dass Leah Rabin das nicht miterleben muss. Die Witwe des 1995 ermordeten damaligen Premiers Yitzhak Rabin ist vor einigen Jahren gestorben.

Im Frühling 1999, also gegen Ende der ersten Amtszeit von Benjamin Netanjahu als Premier, schrieb Leah Rabin in zwei Briefen sie hoffe inständig, dass dieser “Alptraum”, diese “Monstrosität” namens Netanjahu endlich ein Ende finden möge.

Der Mann sei “korrupt” und ein “streitsüchtiger Lügner“, der “alles Gute an unserer Gesellschaft ruinieren” würde:

I hope, pray, that the days of this government are numbered.

Benjamin Netanyahu is a corrupt individual, a contentious liar who is ruining everything that is good about our society.

He is breaking it to bits, and in the future, we will have to rebuild it all over.

We all want this nightmare to end, that this monstrosity called Netanyahu will get lost, because he exhausted our patience a long time ago.

Glückwunsch, Bibi!

– Schlesinger

Photo: DowningStreet (Flickr, CC Lizenz)

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Umfrage: Zustimmung zu Netanjahus neuer Friedenspolitik

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu bewegt sich in jüngster Zeit von seiner rechten Basis weg und tendiert zur politischen Mitte.

Sollte sich seine Einstellung zur Friedenspolitik geändert haben? Einer Friedenspolitik, die seit jeher gelenkt und geleitet ist von der Forderung nach militärischer Überlegenheit und politischer Dominanz?

Nein. Sein Einlenken ist vielmehr motiviert durch Umfrageergebnisse. Genau genommen durch zwei Umfragen. Die eine liegt ein paar Wochen zurück und ergab eine Ablehnungsquote zu Netanjahus Regierungsarbeit von sage und schreibe 68 Prozent. Auf die enger gefasste Frage, wie gut die Arbeit nicht der Regierung, sonderns des Ministerpräsidenten selbst sei antworteten 58% mit “schlecht” (“poor”).

Die andere, aktuelle Umfrage zeigt plötzlich eine Zustimmung von 67% zu seiner letzten Aktivität im Rahmen des Friedensprozesses.

Sie fangen gerade an zu stutzen? Sehen keine Bewegung Netanjahus hin zur Mitte? Reiben sich an der “letzten Aktivität im Rahmen des Friedensprozesses”?

Dann liegen Sie richtig. Die eingangs gegebene Beschreibung mit den zwei Umfragen bezieht sich auf das Jahr 1997. Netanjahu war damals in seiner ersten Amtszeit als Ministerpräsident.

Netanjahu hatte in den Wahlenvon 1996 gegen Amtsinhaber Peres gewonnen. Peres wollte den Oslo-Friedenprozess des im Jahr zuvor ermordeten Yitzkak Rabin fortsetzen. Beobachter meinten damals, mit der Ermordung Rabins sei auch in Peres etwas abgestorben, sei die nötige Entschlusskraft und Energie abhanden gekommen, den Weg Rabins beherzt weiter zu gehen. Eigentlich hätte Peres leichtes Spiel haben müssen gegen Netanjahu. Denn der galt lange als politisch tot.

Netanjahu hatte als Oppositionsführer massiv gegen den Oslo-Prozess und in scharfer persönlicher Weise gegen Rabin aufgewiegelt (“Sie sind schlimmer als Chamberlain. Chamberlain hat ein anderes Land verraten, während Sie Ihr eigenes Land verraten!”).

Als Rabin im November 1995 von einem rechtsradikalen Israeli erschossen wurde, haben das Viele auch Netanjahu angelastet. Die Bevölkerung jedenfalls wollte den Friedensprozess fortgesetzt sehen, und sah diese Aufgabe bei Shimon Peres in guten Händen.

Doch Peres fehlte die Fortune. Zudem führte Hamas im Februar und März 1996 vier Bombenanschläge in Jerusalem, Tel Aviv und Ashkelon durch, um den Oslo-Prozess zu unterlaufen. Das spielte Oppositionsführer Netanjahu massiv in die Hände: Die Attentate der Hamas stellte er als Beweis dar für die Unmöglichkeit, mit den Arabern echten Frieden schliessen zu können.

Peres fühlte sich offenbar genötigt sich als starker Mann zu präsentieren, zumal die Wahlen kurz bevor standen. Als die schiitische Hisbollah-Miliz nach einem irrtümlichen israelischen Raketenangriff, bei dem zwei libanesische Techniker auf einem Wasserturm ums Leben kamen 20 Katjuscha-Raketen auf Nordisrael abfeuerten, gab Peres grünes Licht zu einem massiven Gegenschlag.

In der am 11. April begonnenen Operation “Früchte des Zorns” wurden 1100 Luftangriffe geflogen. Leidtragender war einmal mehr die libanesische Bevölkerung. Zwischen 300 und 500 Tausend Menschen mussten aus dem Süden. Zugleich war die israelische Armee nicht in der Lage, weitere Raketenangriffe der Hisbollah zu verhindern.

Statt seine Position zu stärken, hatte sich Peres geschwächt. Netanjahu führte den Wahlkampf mit millionenschwerer ausländischer Unterstützung und mit “modernen” Techniken, die er von amerikanischen Beratern erhielt.

Netanjahu gewann die Wahlen. Er machte sich sofort daran, den Oslo-Prozess zu unterlaufen. Die Palästinenser wußten was auf sie zukommen würde. Netanjahu hatte aus seiner Ideologie uns seiner persönlichen Animosität gegen die Palästinenser nie einen Hehle gemacht. In der arabischen Altstadt von Jerusalem war Archäologen seit längerem ein noch verschlossener Tunnel bekannt, der einen unterirdischen Zugang zur Tempelmauer gewähren sollte. Während Peres in seiner Amtszeit dagegen war, den Tunnel frei zu machen, stimmte Netanjahu bereitwillig zu. Der Zugang wurde frei gesprengt. Selbstredend war das kein primär archäologischer Vorgang, sondern ein politischer. Netanjahu wußte um die Brisanz. Schließlich lautete das dazugehörige Signal: Wir sind die Herren auch in der arabischen Altstadt von Jerusalem und müssen niemanden um irgend etwas fragen. Entsprechend war die Reaktion, die auch Netanjahu nicht überrascht haben dürfte: Drei Tage lang tobten schwere Unruhen in Jerusalem, der Westbank und Gaza, die auf beiden Seiten viele Tote und Verletzte mit sich brachten. Netanjahu konnte das nur recht sein. Je rabiater die Palästinenser auf solche Provokationen reagierten, desto leichter war es aus dem Friedensprozess auszuscheren.

Nur die Beölkerung wollte zunächst nicht mitspielen. Netanjahus Umfragewerte gingen in den Keller. Dann stand ein israelischer Teilabzug aus dem in der Westbank gelegenen Hebron gemäß den Vereinbarungen von Oslo II an. Netanjahu beugte sich dem Druck der Straße und Washingtons und führte den Teilabzug durch.

Womit wir zum Anfang dieses Beitrags zurück kommen: Seine Umfragewerte zogen kräftig an.

Was die vorübergehende Zustimmung nicht zustande brachte war eine grundlegende Änderung in der Haltung Netanjahus. Er setze seine Obstruktionspolitik fort. In der Westbank und in Gaza wurden zahlreiche weitere Siedlungen gebaut, die Checkpoints vermehrt, die Hoheit über die Wasserreserven beibehalten und Übergriffe durch Siedler auf Palästinenser hingenommen.

Nach anfänglicher Euphorie über den Oslo-Prozess machte sich auf Seiten der Palästinenser großer Unmut breit, zumal sich die wirtschaftliche Lage zusehends verschlechterte.

Schließlich hatte Netanjahu die Palästinenser dort wo er sie haben wollte: Weg vom Friedensprozess. Die Bevölkerung Israels, die die Zustände in Gaza und der Westbank nicht kannten meinten zunächst noch, der Friedensprozess würde weiter laufen. Doch sie mißtrauten Netanjahu und wählten 1999 Ehud Barak.

Als im Jahr 2000 die Verhandlungen von Camp David zwischen Barak und Arafat scheiterten, war die Desillusionierung unter den Palästinensern vollkommen. Der “Besuch” von Ariel Scharon auf dem arabischen Tempelberg im Begleitschutz von vielen Hundertschaften Soldaten und Polizei genügte, um die Zweite Intifada auszulösen, die Israel und die besetzten Gebiete in einen furchtbaren Kleinkrieg stürzen sollte. Hatte Hamas in 1996 “nur” 4 Attentate durchgeführt, waren es in 2001 vierzig. Wie die israelische Armee in  der Westbank wütete blieb den meisten Israelis verborgen. Für sie schien nur klar, dass die Palästinenser aus nicht ersichtlichem Grund zurück zu Gewalt gekehrt sind. Damit war auch die Bevölkerung mehrheitlich endlich dort, wo Netanjahu sie lange zuvor haben wollte: In der Front gegen die Palästinenser.

Dort ist die Bevölkerung Israels noch heute: Es gibt es keine nennenswerte Ablehnung von Netanjahus “Sicherheitspolitik“.

– Schlesinger

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Shoah-Gedenktag: Reich-Ranicki vor dem Bundestag

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Von linksterroristischen Gruppen und rechtsterroristischen Zellen

Über die “Sauerland-Gruppe” berichteten mit dieser Bezeichnung der SPIEGEL, die WELT, der Stern, die taz, die FAZ und der ganze übrigen Medienrest.

Über die “Zwickauer Zelle” berichteten mit dieser Bezeichnung der SPIEGEL, die WELT, der Stern, die taz, die FAZ und der ganze übrige Medienrest.

“Zelle” ist was Kleineres, vielleicht was ganz Kleines.

“Gruppe” ist was Größeres, vielleicht was ziemlich Großes (“Gruppierung”).

Die islamistische Terrorgruppe aus dem Sauerland war demnach was Größeres (auch wenn sie nur aus drei Personen plus 1 Helfer plus unbestimmten Kontakten ins Ausland bestand).

Die braune Terrorzelle aus dem Osten war demnach was Kleineres (auch wenn sie umgeben war von einem nicht überschaubaren Netzwerk anderer brauner und höchst militanter Gruppen).

Sollte es eine stille Übereinkunft geben in der Presse, dass Terroristen von links oder aus anderen Religionen ein “große” Bedrohung darstellen, aber Terroristen von rechts eine “kleine” Gefahr sind, weil immerhin irgendwie “deutsch”?

– Schlesinger

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Netanjahu droht Israel

Endlich wagt eine große Zeitung einen längst bekannten Sachverhalt offen auszusprechen.

Die Süddeutsche meldet heute:

Netanjahu droht Iran

Netanjahu droht Iran

Dass Israels Premierminister Netanjahu eine Bedrohung für sein Land darstellt ist nichts Neues.

Immerhin war es der damalige Oppositionsführer “Bibi” Netanjahu, der den radikalen Widerstand gegen Ministerpräsident Yitzhak Rabin anführte, welcher die Vereinbarungen von Oslo unterzeichnete.

Nach der Ermordung Rabins verweigerte seine Witwe Leah dem kondolierenden Netanjahu den Handschlag. Auch später hat sie ihm nicht verziehen, wie er in größt möglicher Radikalität gegen ihren Mann aufgewiegelt hat.

Als Netanjahu in der Nachfolge von Schimon Peres zum Ministerpräsidenten gewählt wurde, begann er umgehend den Friedensprozess einzufrieren. Das war für niemanden eine Überraschung, denn schließlich hat es Netanjahu in seinem Buch “A place among the nations” im Detail dargelegt, dass Frieden mit den Arabern unmöglich sei und Israel sich ausschließlich auf das Schwert verlassen könne.

Netanjahu kann nur “Sicherheitspolitik”

Armer Bibi. Er kommt aus seinem geistigen Gefängnis nicht heraus. Er ist der Sohn von Benzion Netanjahu, der glühender Anhänger und Sekretär von Vladimir Jabotinsky war – dem Begründer des sogenannten revisionistischen Zionismus mit der Idee eines Großisrael und der Forderung nach militärischer Dominanz über die Araber.* Netanjau junior hat beider politisch-ideologische Ansichten in zum Teil radikalerer Form übernommen. Dabei sieht sich Bibi einer homogen feindseligen arabischen Umgebung gegenüber, kennt nur Schwarz und Weiß, nicht unähnlich dem manichäischen Weltbild des George W. Bush.

Aus taktischen Gründen gibt er sich bisweilen den Anstrich Frieden zu suchen. Den Frieden aber, den sich Netanjahu vorstellt kann es und wird es nicht geben. Es ist ein Friede, der die völlige Unterwerfung des anderen voraussetzt.

Was für eine absurde Idee im 21. Jahrhundert und in Zeiten des arabischen Frühlings.

Den reellen Forderungen seiner eigenen Bürger, wie sie von der Bewegung J14 im vergangenen Jahr landesweit und unüberhörbar zum Ausdruck gebracht wurden, kann und will er sich nicht stellen. Er kann und will nur “Sicherheitspolitik”. Davon ist er besessen.

Netanjahu ist ein übrig gebliebener Kalter Krieger.

Er ist für Israel kein “Gottesgeschenk”, obwohl das die Bedeutung seines Namens ist. Er ist eine Bedrohung.

– Schlesinger

* Vgl. den Artikel “The Iron Wall” von Vladimir Jabotinsky

Bild: Auszugsweise Kopie des SZ-Artikels v. 25.01.2012

Nachtrag:

In einem aktuellen Beitrag der israelischen Tageszeitung Haaretz rügt Carlo Strenger Netanjahus ständigen Gebrauch des Holocaust zu niederen politischen Zwecken. Zuletzt verband Netanjahu die vermeintliche oder echte Bedrohung durch das Atomprogramm des Iran mehrfach mit einem drohenden Holocaust.

Netanyahu’s use of the Holocaust is morally problematic.

By bringing it up, time and again, he implies that he is the savior that protects the Jewish people from extinction, whereas his political opponents are not sufficiently alert to the Jewish people’s survival. He also makes it sound as if only his policy can protect Israel. Lately not only his political opponents like Tzipi Livni have criticized this tactic. Even Likud MK and Speaker of the Knesset Reuven Rivlin has taken Netanyahu to task for overusing the Holocaust.

Netanyahu’s strategy is also politically unwise.

In off-the-record conversations, European and American politicians and diplomats often express annoyance at Netanyahu’s constant attempts to manipulate the world by engendering feelings of guilt. European politicians are well aware of the Holocaust and some of their countries’ highly problematic behavior in WWII; they do not need to be reminded of it. Netanyahu’s manipulations do nothing to engender loyalty to Israel. If anything, they drive away friends.

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2012 : Krieg Israel - Iran?

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