Israel & Palästina

Tagebuch Theodor Herzl – 22.07.1897

theodor_herzlÜber die Verlegung des Ersten Zionistischen Kongresses von München nach Basel schrieb Herzl:

Ich ging nicht gern nach München, das mir von jeher als ungeeignet erschienen war u. das ich nur der Majorität der “vorbereitendenden Commission” gehorchend acceptirt hatte.

Darum benutzte ich die kläglichen patriotischen Proteste der Münchener Cultusvorsteher dazu, den Congress nach der Schweiz zu verlegen.[...]

Indessen ließ ich doch durch den Fürsten Wrede bei der bayerischen Regierung vertraulich anfragen, ob sie denn etwas gegen den Congress gehabt hätte. Minister Feilitzsch antwortete Wrede vertraulich, dass die Regierung nichts gegen den Congress hatte

Photo: Theodor Herzl (Wikipedia, gemeinfrei)

 

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Tagebuch Theodor Herzl – 17.06.1897

theodor_herzlUrsprünglich sollte der 1. Zionistische Kongress in München stattfinden. Die Israelitische Kultusgemeinde München wollte diesen Kongress aber nicht, da sie seitens der Obrigkeit Nachteile fürchtete.

Herzl beschloß daraufhin, den Kongress nach Basel zu verlegen.

Trotzdem schrieb er einen Brief an die Bayerische Regierung, um deren Haltung zu einem möglichen Münchner Kongress in Erfahrung zu bringen.

In diesem Brief liefert Herzl eine

Definition für Zionismus

Der Zionismus will die Judenfrage in friedlicher Weise lösen, u. zw. durch Besiedlung Palästinas mit Juden, unter Zustimmung der Mächte, nach erfolgter Verständigung mit der Kaiserlich Türkischen Regierung.

Der Zionismus ist selbstverständlich eine vollkommen gesetzliche Bewegung und will seine menschenfreundlichen Ziele nicht anders als unter der wohlwollenden Aufsicht der Regierungen verfolgen.

Festzuhalten ist: Herzl interessierte sich nur dafür, die Groß- und Mittelmächte für seinen Plan zu gewinnen. Er ignorierte die “Araberfrage” ebenso wie die meisten anderen Zionisten. Dass Palästina nicht menschenleer war, kümmerte Herzl im Grunde nicht. Inwieweit der Zionismus “menschenfreundliche Ziele” verfolgen konnte, indem er Menschen ignorierte – die Araber Palästinas – sei dahingestellt. Immerhin: Damals wurden diese Menschen nur ignoriert.

Photo: Theodor Herzl (Wikipedia, gemeinfrei)

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Tagebuch Theodor Herzl – 24.03.1897

theodor_herzl

die nächste Folge des Antisemitismus, noch vor den gesetzlichen und administrativen Chicanen, wird ein Krieg der Juden gegen die Juden sein. Die schon jetzt gedrückten u. bedrohten Schichten der Juden werden sich gegen die Grossjuden wenden, welche sich von Regierung u. Hetzern mit Geld u. Diensten freikaufen.

[...]

nach der Wahl in der [Wiener] Leopoldstadt, als der Antisemit gegen den “Liberalen” unterlag, gab es einigen Rummel in diesem Judenviertel.

Einige Pöbelbanden zogen umher, schlugen Fensterscheiben von Kaffeehäusern ein, plünderten etliche kleine Läden.

Auch wurden Juden auf der Gasse beschimpft u. geprügelt. Als man das in den Morgenblättern las, gab es, glaube ich, der Judenschaft einen Choc – der aber schnell verwunden war.

Es muss ärger kommen, es wird ärger kommen.

Freilich, die Millionäre werden sich dem Übel leicht entziehen, und die Wiener Juden sind wie die Meisten unseres Volkes Ghetto-Naturen, die froh sind, wenn sie nur mit einem blauen Auge davon kommen.

Wenig später, am 16. April 1897, wurde der vormalige Stadtrat, Zweite Bürgermeister und Antisemit Karl Lueger zum Ersten Bürgermeister Wiens gewählt.

Kaiser Franz-Joseph I. weigerte sich zunächst, Lueger im Amt zu bestätigen. Es gab mehrere Nachwahlen, die zuletzt ausarteten: Im November 1897 gab es Tumulte vor dem Kaiserpalais; Franz Joseph wurde als “Judenkaiser” beschimpft, weil er sich gegen den Volkstribun Lueger stellte, dessen Anhänger sich “Vereinte Antisemiten” nannten. Schließlich musste der Kaiser nachgeben.

Lueger hatte das Amt bis zu seinem Tod im Jahr 1910 inne.

Adolf Hitler, der von 1907-13 in Wien wohnte, wurde von den antisemitischen Parolen Luegers stark beinflusst (»Auch ich befand mich unter den vielen Hunderttausenden, die dem Trauerzug zusahen«, erzählte Hitler in Mein Kampf, wo er in seitenlangen Elogen dem »wahrhaft genialen Bürgermeister«, dem Idol seiner Wiener »Lehr- und Leidensjahre« huldigte, und ihn als den “gewaltigsten deutschen Bürgermeister” titulierte.).

Wie sehr Recht Herzl hatte mit seinem düsteren “es wird ärger kommen” konnte er freilich nicht wissen.

Photo: Theodor Herzl (Wikipedia, gemeinfrei)

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Israel - Zitat des Tages

 Nichts verhandeln, keine Attacke tolerieren, den Gordischen Knoten zerschlagen, und Geschichte formen durch das Schaffen von Tatsachen schien so einfach, so verführerisch, so befriedigend, dass es zur Politik Israels im Konflikt mit den Arabern wurde.

Nahum Goldmann
(Ehemaliger Präsident des Zionistischen Weltkongresses. Über die Auswirkung des israelischen Sieges im Unabhängigkeitskrieg von 1948)

Presseschau Naher Osten (englisch)

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