Zitat des Tages:

  Das war unsere Strategie; nicht mit dem Kopf durch die Wand gehen, sondern genau das Gegenteil, die Aktion hinzuziehen, bis sie am Ende akzeptiert würde, wenn der passende Augenblick da war. Wir [die jüdischen Siedler der Westbank] wußten stets, wie wir den Faktor Zeit im demokratischen Spiel zu nutzen hatten. Timing war immer von Bedeutung für uns, weil die verstreichende Zeit zu unseren Gunsten arbeitete. Man gewöhnte sich einfach an die Fakten vor Ort.

Rabbi Moshe Levinger
(Geistiger Führer der Siedlerbewegung Gush Emunim ("Block der Gerechten") . Über die Strategie der illegalen jüdischen Besiedlung des palästinensischen Westjordanlandes. Interview in der Tageszeitu)

 

Kein jüdischer Siedler-Terror, nirgends !

Bundeskanzlerin Angela Merkel befürwortet eine Gesetzesinitiative, wonach rechtsradikale Taten von Neonazis keine Straftaten mehr sein sollen. Begründung: Sobald solche Taten als “Straftaten” im Ausland bekannt würden, schadeten sie dem Ansehen Deutschlands. Also: Kriminelle Akte von Neonazis dürfen keine Straftaten mehr sein!

Das ist natürlich eine frei erfundene Geschichte.

Nicht frei erfunden ist ein ganz ähnlicher Vorgang in Israel.

Dort hat sich Ministerpräsident Netanjahu im Sicherheitskabinett gegen einen Vorschlag des Sicherheitsdienstes Shin Bet gewandt, die gewalttätigen sogenannten “Preisschild”-Aktionen von jüdischen Siedlern gegenüber Palästinensern als terrorartige Vorgänge einzustufen.

Seit langem werden Palästinenser in der Westbank von Siedlern mit allen denkbaren Übergriffen schikaniert. Da werden Leute bespuckt, geschlagen, zusammen geschlagen, angeschossen oder erschossen. Da werden Moscheen angezündet, Olivenbäume abgesägt oder Weizenfelder abgebrannt. Das nennt sich dann ein “Preisschild”. Also der Preis für ein irgendwie geartetes Vergehen von palästinensischer Seite. Im Einzelfall mag das sogar zutreffen. In der ganz großen Mehrzahl der Fälle ist es reine Willkür und soll dazu dienen, die Palästinenser zu vertreiben.

Netanjahu will dem Vorschlag seines Geheimdienstes ebensowenig folgen wie er auf die Warnungen seiner eigenen Generäle hören will, die davor warnen, dass dieser Siedlerterrorismus zu einer Dritten Intifada führen könnte.

Was nicht sein darf, soll auch nicht sein.

Vielleicht sollte man Bibi sagen, dass seine Siedler längst auf der offiziellen US-Terrorliste stehen.

– Schlesinger

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Groß-Israel: Der Schleier lüftet sich

Schlechte Nachrichten sind manchmal gute Nachrichten. Zumindest wenn es darum geht, endlich die Wahrheit ans Licht zu lassen.

Seit langen Jahren ist der “Oslo” genannte “Friedensprozess” im Nahen Osten tot.

Trotzdem wird dieser Begriff “Friedensprozeß” wieder- und wiedergekäut.

Trotzdem bereist ein weiterer amerikanischer Außenminister, der vorgestern Condoleeza Rice, gestern Hillary Clinton und heute John Kerry heisst die Region, um den Schein aufrechtzuerhalten.

Trotzdem hieß es jahrelang, nein jahrzehntelang aus Jerusalem “Natürlich wollen wir einen Palästinenserstaat!” – das war schließlich auch das erklärte Ziel der Osloer Verhandlungen von 1993 ff.

Ein “Die Palästinenser müssen nur zeigen, dass sie bereit sind für den Frieden!” vergaß man dabei nie einschränkend hinterher zu schieben.

Und baute derweil in den besetzten Gebieten Siedlungen so viel wie möglich.

Westbank Gebiet C

Ariel Sharon, der 1998 Außenminister unter dem damaligen Ministerpräsidenten Netanjahu war, rief auf Radio Israel dazu auf, in den besetzten Gebieten so viel Land wie möglich an sich zu reißen:

Grab more hills, expand the territory.

Everything that’s grabbed will be in our hands.

1998: Da war die Tinte unter den Osloer Dokumenten kaum trocken. Da war Yitzhak Rabin schon drei Jahre lang tot. Erschossen von einem der meinte Rabin wolle Land aufgeben, wo doch selbst ein Rabin den Siedlungsbau weiter beförderte.

Seit jenen Tagen hat sich nichts geändert.

Und nun stellt sich Wirtschaftsminister Naftali Bennett vor ein Siedlerforum und verkündet, dass die Zweistaatenlösung tot sei. Das müsse sich die israelische Politik endlich eingestehen. Das Land Israel – gemeint ist das “ganze Land Israel” – gehöre nun einmal dem israelischen Volk. Man solle nun mit Plan B beginnen.

Plan B: Zunächst soll das sogenannte C-Gebiet vollständig einverleibt werden. Das C-Gebiet wurde gemäß Oslo bisher von Israel verwaltet. Es war aber nicht annektiert. Das scheint Bennett vor Augen zu haben. Damit würde sich Israel den Großteil der palästinensischen Gebiete einverleiben.

Übrig bliebe was seit langem unter der Bezeichnung “Bantustans” befürchtet wird. Die Parzellierung von unzusammenhängenden kleinen Palästinensergebieten ganz nach dem Vorbild des früheren Südafrika.

Zum Abschluss seiner Rede vor den Siedlern rief Bennett:

Baut, baut, baut!

Der prominente israelische rechtskonservative Barry Rubin hat vor diesem Hintergrund durchaus Recht, wenn er die Friedensbemühungen des John Kerry als “peinliche Obsession” beschreibt.

Die Schleier lüften sich, und das ist gut so.

– Schlesinger

PS.: Und aktuell sagt der jüdisch-amerikanische Zionist Leon Wieseltier:

One of the most shameful aspects of the Netanyahu government has been to succeed in taking the Palestinian question off the table.

Grafik: UN

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Israel: Keine Mehrheit für die Spucker!

Der Angreifer schrie den Journalisten mit heiserer Stimme an, beschimpfte ihn mit geschwollenen Halsadern als Linken, Araberfreund, Israelhasser und einiges mehr, das nicht druckreif ist. Dann wurde dem Journalisten und seiner Freundin ins Gesicht gespuckt.

Das war letzten Freitag. Gideon Levy, Reporter der liberalen israelischen Tageszeitung Haaretz, kam gerade vom Einkaufen vom quirlig-schönen Tel Aviver Carmel-Markt, als sich ein Orthodoxer ihm und seiner Begleitung in den Weg stellte.

Das war nicht das erste mal, berichtet Levy, dass er auf offener Straße angefeindet wurde. Es war aber das erste mal, dass er angespuckt wurde.

Levy kann sich gut vorstellen, welches Israel sich solche Orthodoxe wünschen. Eins, das frei ist von solchen Leuten wie ihm. Den Linken. Den Liberalen. Eins ohne einen säkularen Obersten Gerichtshof. Eins ohne Menschenrechtsgruppen.

Das zeigt Levy, dass er weiter machen müsse.

Die Leute, die so eingestellt seien wie der Angreifer, stellten bereits die Mehrheit.

Nun gelte es zu verhindern, dass sie zu Tyrannen über den Rest würden.

Denn das, so Levy, wäre ein Alptraum.

Levys Sorgen sind begründet. Seit langem schwelt ein Kulturkampf in Israel, bei dem es um die grundlegende Frage geht wohin sich das Land entwickeln soll.

Die Politik versucht diesem hochbrisanten Thema auszuweichen, so gut es geht. Bislang geben die Orthodoxen Tempo und Richtung dieser Auseinandersetzung vor. Der Rest möchte mehr oder weniger nur seine Ruhe haben.

Das Prinzip Hoffnung war aber in politisch unruhigen Zeiten schon immer ein gefährlicher Ratgeber.

– Schlesinger

 

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Aufgelesen

  Der 5-jährige israelische Junge antwortete dem Reporter auf die Frage, warum so viele Palästinenser frei gekommen sind: "Weil wir viele von ihnen gefangen nahmen und sie nur einen." (Nach dem Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hamas, bei dem der israelische Soldat GiladShalit gegen über tausend palästinensische Gefangene getauscht wurde.)

Uri Avnery

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